WISSEN · Aktualisiert 12.10.2026
Welche Gerüsttypen gibt es? Alle Arten im Überblick
Die kurze Antwort: In Deutschland werden Gerüste nach zwei verschiedenen Systemen klassifiziert. Nach Verwendung gibt es drei Hauptkategorien (Arbeits-, Schutz- und Traggerüst), nach Konstruktionsart drei weitere (Stand-, Hänge- und Konsolgerüst). Daraus entstehen in der Praxis rund zehn verschiedene Gerüsttypen, von denen jeder für bestimmte Arbeiten entwickelt wurde. Fassadengerüst, Rollgerüst, Modulgerüst, Dachfanggerüst, Treppenturm und mehrere Spezialformen decken alle gängigen Bauvorhaben ab. Dieser Artikel gibt Ihnen den kompletten Überblick: alle Typen, ihre Einsatzgebiete, Unterschiede und wann welcher Typ die richtige Wahl ist.
Zwei Klassifizierungssysteme auf einen Blick
Viele Bauherren verwirrt, dass dasselbe Gerüst gleichzeitig verschiedene Namen tragen kann. Ein Fassadengerüst ist zum Beispiel immer auch ein Arbeitsgerüst und meistens ein Standgerüst. Das liegt daran, dass die DIN-Normen zwei getrennte Klassifizierungsachsen verwenden.
Die erste Achse ist die Verwendung: Wofür wird das Gerüst genutzt? Hier gibt es Arbeits-, Schutz- und Traggerüste. Die zweite Achse ist die Bauart: Wie ist das Gerüst konstruiert? Hier unterscheidet man Stand-, Hänge- und Konsolgerüste. Jeder konkrete Gerüsttyp hat also zwei Attribute. Ein Fassadengerüst ist beispielsweise ein “Arbeitsgerüst in Standbauweise”.
| Klassifizierung nach Verwendung | Klassifizierung nach Bauart |
|---|---|
| Arbeitsgerüst Arbeitsplattform für Handwerker, trägt Personen, Werkzeug und Material. Das häufigste System am Bau. | Standgerüst Steht auf dem Boden und wird an der Wand verankert. Die klassische Bauweise bis 24 Meter Höhe. |
| Schutzgerüst Sichert gegen Absturz oder herabfallende Teile. Fanggerüste, Dachfanggerüste und Schutzdächer. | Hängegerüst Von oben abgehängt, ohne Bodenkontakt. Für Brücken oder Bauwerke ohne tragfähigen Untergrund. |
| Traggerüst Trägt schwere Lasten statt Personen, zum Beispiel frischen Beton bei Deckenschalungen. | Konsolgerüst Über Konsolen an der Fassade abgestützt, ohne eigenen Bodenkontakt. Für freizuhaltende Erdgeschosse. |
Die beiden Klassifizierungsachsen nach DIN. Jedes konkrete Gerüst gehört immer zu einer Verwendungs- und einer Bauart-Kategorie.
Diese Doppelklassifizierung wirkt zunächst kompliziert, hat aber einen praktischen Nutzen: Sie macht klar, welche Vorschriften und welche Lastklassen für ein bestimmtes Gerüst gelten. Für Bauherren reicht es, die konkreten Typen zu kennen, die unten im Detail beschrieben werden.
Die drei Verwendungsarten im Detail
Arbeitsgerüste sind die am häufigsten eingesetzten Gerüste. Sie dienen Handwerkern als Arbeitsplattform und ermöglichen das sichere Arbeiten in der Höhe mit Werkzeug und Material. Fassadenanstriche, Dachsanierungen, Fenstermontagen und WDVS-Dämmung finden auf Arbeitsgerüsten statt. Sie unterliegen der DIN EN 12811-1 und werden in Last- und Breitenklassen eingeteilt. Details zu den sieben Breitenklassen W06 bis W24 finden Sie in unserem Ratgeber zur richtigen Gerüstbreite.
Schutzgerüste haben eine andere Aufgabe: Sie dienen nicht primär als Arbeitsplattform, sondern schützen Personen oder Objekte vor Absturz oder herabfallenden Teilen. Dazu gehören Fanggerüste (unterhalb von Arbeitsstellen), Dachfanggerüste (an der Traufe) und Schutzdächer (über Verkehrswegen). Schutzgerüste werden oft in Kombination mit Arbeitsgerüsten eingesetzt. Rechtsgrundlage ist die DIN 4420 Teil 1.
Traggerüste sind reine Lastkonstruktionen. Sie dienen nicht dem Begehen, sondern dem Tragen schwerer Lasten während der Bauphase, beispielsweise frischem Beton bei Deckenschalungen. Sie werden individuell statisch berechnet und unterliegen der DIN EN 12812. Für private Bauherren sind sie selten relevant.
Die drei Konstruktionsarten
Standgerüste stehen fest auf dem Boden und werden an der Wand verankert. Das ist die mit Abstand häufigste Bauweise, zu der auch das klassische Fassadengerüst gehört. Standgerüste sind kostengünstig, schnell aufgebaut und bis etwa 24 Meter Höhe nach Regelausführung zulässig.
Hängegerüste werden von oben abgehängt statt vom Boden errichtet. Sie kommen zum Einsatz, wenn der Boden nicht zugänglich ist, beispielsweise bei Brücken oder Fassaden über belebten Verkehrswegen. Sie sind technisch aufwendiger und teurer, erfordern immer eine Einzelberechnung.
Konsolgerüste (auch Auslegergerüste genannt) sind über horizontale Konsolen an der Fassade befestigt. Sie werden eingesetzt, wenn eine Standkonstruktion unmöglich ist oder wenn das Erdgeschoss frei begehbar bleiben muss. Typisch bei Schaufenstern von Geschäften, die während der Fassadensanierung weiterhin zugänglich bleiben sollen.
Die zehn wichtigsten Gerüsttypen in der Praxis
1. Fassadengerüst
Das Standardsystem für Fassadenarbeiten. Mehrere Etagen übereinander, vom Boden aus aufgebaut, an der Wand verankert. Für Fassadensanierung, Dacharbeiten, Fensteraustausch und WDVS. Höhe bis 24 Meter in Regelausführung, Breiten W06 bis W12. Alle Details zu Aufbau, Normen und Komponenten finden Sie in unserem Grundlagenartikel zum Fassadengerüst.
2. Rollgerüst (Fahrgerüst)
Mobiles Arbeitsgerüst auf Rollen. Kein Verankern an der Wand, dafür begrenzte Höhe: 8 Meter im Außenbereich, 12 Meter innen. Ideal für kurze, wiederkehrende Arbeiten in Innenräumen (Decken streichen, Lampen montieren) oder kleinere Reparaturen am Haus. Nach DIN EN 1004 auch für Privatpersonen zum Selbstaufbau zugelassen.
3. Modulgerüst (Systemgerüst)
Baukastensystem aus Einzelelementen mit Knotenpunkten. Lässt sich an komplexe Geometrien anpassen, trägt höhere Lasten und ist flexibler als klassische Rahmengerüste. Einsatz vor allem bei Industrieanlagen, Brücken, Kirchen und Sonderkonstruktionen mit ungewöhnlichen Grundrissen.
4. Hängegerüst
Von oben abgehängtes Gerüst, ohne Bodenkontakt. Für Brücken, Fassaden über Verkehrswegen oder Bauwerken ohne tragfähigen Untergrund. Technisch aufwendig, teuer, immer individuell berechnet. In Berliner Wohnbauten eher selten.
5. Dachfanggerüst
Spezielle Form des Schutzgerüsts, montiert an der Dachkante zur Absturzsicherung. Fängt Personen und Material auf, die vom Dach stürzen würden. Pflicht bei allen Dacharbeiten über 3 Meter Traufhöhe nach DGUV-Vorschriften. Wird meist als Ergänzung zum Fassadengerüst installiert.
6. Raumgerüst
Flächiges Gerüst, das einen gesamten Raum oder eine große Innenfläche abdeckt. Einsatz bei Deckenarbeiten in Hallen, Kirchen oder Theatern. Anders als Fassadengerüste nicht länglich entlang einer Wand, sondern flächig über die ganze Grundrissfläche.
7. Traggerüst
Reine Lastkonstruktion ohne Arbeitsplattform. Trägt frischen Beton bei Deckenschalungen oder stützt Bauteile während der Montage. Statisch anspruchsvoll, immer individuell berechnet nach DIN EN 12812. Für Rohbau-Projekte zwingend.
8. Konsolgerüst (Auslegergerüst)
An horizontalen Konsolen von der Fassade abgestützt, ohne eigenen Bodenkontakt. Nützlich, wenn das Erdgeschoss frei begehbar bleiben muss (Schaufenster, Eingänge zu Geschäften) oder wenn der Standort am Boden nicht zur Verfügung steht.
9. Treppenturm
Separater, säulenartiger Aufgang zum Hauptgerüst. Pflicht bei größeren Baustellen mit mehreren Monteuren oder wenn regelmäßig schwere Materialien nach oben transportiert werden. Innere Leitern reichen rechtlich nur bis zu bestimmten Höhen aus.
10. Wetterschutz- und Bauzeltgerüst
Umschließt die gesamte Baustelle mit Dach und Plane zum Schutz vor Regen, Schnee und Wind. Ermöglicht Arbeiten bei schlechtem Wetter und schützt empfindliche Materialien (Dämmung, frischen Putz, Holz). Besonders wichtig bei Dachsanierungen im Winter und bei langwierigen Sanierungen historischer Gebäude.
Weitere Spezialformen wie Giebelgerüst, Kaminbesteigung oder Kircheneinrüstungen sind Varianten dieser zehn Grundtypen, angepasst an konkrete Objekte.
Alle Typen im direkten Vergleich
| Gerüsttyp | Typischer Einsatz | Mobilität | Max. Höhe | Material |
|---|---|---|---|---|
| Fassadengerüst | Fassadensanierung, Dach, WDVS | Nein | bis 24 m | Stahl |
| Rollgerüst | Innen- und kleine Außenarbeiten | Ja | 8 / 12 m | Aluminium |
| Modulgerüst | Industrie, komplexe Geometrien | Nein | individuell | Stahl |
| Hängegerüst | Brücken, Fassaden über Verkehr | Nein | individuell | Stahl |
| Dachfanggerüst | Absturzsicherung an der Traufe | Nein | an Traufe | Stahl |
| Raumgerüst | Deckenarbeiten in Hallen, Kirchen | Nein | bis Decke | Stahl / Alu |
| Traggerüst | Lastaufnahme bei Betonschalung | Nein | individuell | Stahl |
| Konsolgerüst | Freizuhaltende Erdgeschosse | Nein | bis 15 m | Stahl |
| Treppenturm | Aufgang bei großen Baustellen | Teil | bis 24 m | Stahl |
| Wetterschutzgerüst | Winterbaustellen, Dachsanierung | Nein | bis Dach | Stahl + Plane |
Alle zehn praxisrelevanten Gerüsttypen auf einen Blick. Das Fassadengerüst (hervorgehoben) ist das Standardsystem für die meisten privaten Bauvorhaben.
Die Tabelle hilft bei einem ersten Vergleich, ersetzt aber keine Beratung vor Ort. Welcher Typ konkret zu Ihrem Projekt passt, hängt von Faktoren ab, die nur bei einer Besichtigung sichtbar werden: Zugänglichkeit, Nachbarschaftssituation, Fassadengeometrie und Standzeit.
Material: Stahl, Aluminium oder Hybrid
Unabhängig vom Typ gibt es drei Materialoptionen, zwischen denen Gerüstbauer wählen. Stahl ist das robusteste Material und wird für dauerhafte Einsätze oder hohe Lastklassen bevorzugt. Nachteil: hohes Eigengewicht, längerer Aufbau. Aluminium ist deutlich leichter, reduziert die körperliche Belastung beim Auf- und Abbau und senkt Transportkosten. Vor allem bei Rollgerüsten und schnellen Mobileinsätzen ist Alu die erste Wahl.
Hybrid-Systeme kombinieren beide Materialien. Tragende Elemente aus Stahl, bewegliche Teile aus Aluminium. Diese Lösung ist in professionellen Betrieben zunehmend verbreitet, weil sie Robustheit mit Transportvorteilen verbindet.
Für Berliner Bauvorhaben setzen wir bei GBVS Gerüstbau typischerweise auf verzinkte Stahlsysteme nach DIN 4420-3, die sich für die meisten Fassaden- und Dachprojekte in der Stadt bewährt haben. Details zu unseren Fassadengerüsten finden Sie auf unserer Seite zum Fassadengerüst.
Welchen Typ wählen Sie am Ende?
Für die große Mehrheit der privaten Bauvorhaben in Berlin ist die Wahl des Gerüsttyps eigentlich schnell getroffen:
Für Fassadensanierung am Wohnhaus: Fassadengerüst. Standard, bewährt, wirtschaftlich.
Für Dacharbeiten: Fassadengerüst plus Dachfanggerüst. Die Kombination ist bei Traufhöhen über 3 Meter rechtlich vorgeschrieben.
Für kleinere Innenarbeiten: Rollgerüst. Schnell aufgebaut, leicht zu bewegen, oft reicht die Miete für wenige Tage.
Für aufwendige Sanierungen im Winter: Fassadengerüst plus Wetterschutzeinhausung. Verlängert die mögliche Bauzeit auch bei Regen und Schnee.
Für Altbauten mit Erkern und komplexen Fassaden: Modulgerüst oder Fassadengerüst mit Sonderelementen. Lässt sich an unregelmäßige Geometrien anpassen.
Für Projekte an viel befahrenen Straßen: oft Hängegerüst oder Konsolgerüst, um den Verkehrsraum frei zu halten.
In der Praxis trifft diese Wahl der Gerüstbauer bei der Vor-Ort-Besichtigung. Als Bauherr müssen Sie die Entscheidung nicht selbst treffen, sondern dem Fachbetrieb möglichst genau beschreiben, welche Arbeiten geplant sind und welche Handwerker beteiligt werden.
Das Wichtigste zum Schluss
Die Welt der Gerüste ist zweidimensional organisiert: nach Verwendung (Arbeits-, Schutz-, Traggerüst) und nach Bauart (Stand-, Hänge-, Konsolgerüst). Daraus entstehen rund zehn praxisrelevante Gerüsttypen, von denen für private Bauherren vor allem Fassadengerüst, Rollgerüst, Dachfanggerüst und gelegentlich Wetterschutzgerüst infrage kommen. Spezielle Konstruktionen wie Modul-, Hänge- oder Traggerüste sind Themen für Industrie- und Großprojekte.
Für Ihr Projekt in Berlin und Umgebung übernehmen wir bei GBVS Gerüstbau die Beratung zur passenden Gerüstart und erstellen ein transparentes Festpreis-Angebot. Rufen Sie uns unter +49 176 31280750 an oder schreiben Sie uns über unser Kontaktformular für eine erste Einschätzung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Fassadengerüst und Baugerüst?
Baugerüst ist ein Oberbegriff für alle Gerüste am Bau. Fassadengerüst ist eine spezielle Unterkategorie, die entlang der Außenwand verläuft. Jedes Fassadengerüst ist ein Baugerüst, aber nicht jedes Baugerüst ist ein Fassadengerüst.
Darf ich als Privatperson jeden Gerüsttyp selbst aufbauen?
Rollgerüste nach DIN EN 1004 ja. Fassadengerüste theoretisch auch, in der Praxis aber nicht empfohlen. Modul-, Hänge- und Traggerüste gehören ausschließlich in die Hand von Fachbetrieben. Details zur Rechtslage finden Sie in unserem Artikel zum privaten Gerüstaufbau.
Welcher Gerüsttyp ist am günstigsten?
Pro Quadratmeter: das klassische Fassadengerüst (8 bis 12 Euro/m² in Berlin 2026). Für kleine Projekte: das Rollgerüst (200 bis 400 Euro Wochenmiete). Modulgerüste und Sonderkonstruktionen kosten das 1,5- bis 3-fache des Standards.
Kann man verschiedene Gerüsttypen kombinieren?
Ja, und das ist in der Praxis oft notwendig. Fassadengerüst plus Dachfanggerüst ist die häufigste Kombination. Bei größeren Projekten kommen Treppentürme, Wetterschutz oder Schutzdächer dazu.
Wo finde ich mehr Informationen zu den Kosten der verschiedenen Typen?
In unserem Ratgeber zur Kostenkalkulation erklären wir die Berechnungsgrundlagen für Fassadengerüste und wie sich die Preise für andere Typen davon unterscheiden.